Donnerstag, 11. April 2013



310 b  Weitere Zitate zum Verständnis der tantrischen Reise nach Khajuraho

Helmuth von GLASENAPP hat sich sehr intensiv mit wissenschaftlicher Methodik mit dem indischen Geistesleben beschäftigt. In seinem Buch von 1958 stehen einige erklärende Bemerkungen zu Tantra – wenn sie auch heute nicht mehr ganz den tieferen Erkenntnissen entsprechen. Seite 126 ff:

Der Weg zur Befreiung ist »die Reinigung des Geistes von allen ihm anhaftenden Schlacken. Das praktische Hilfsmittel ist das Ritual, das zu einer systematischen Unterdrückung der irdischen Triebe führen soll. Die ungeheure Bedeutung, die dem Ritus für die Förderung des Reinigungsprozesses zugeschrieben wird, ist das Charakteristikum der Heilslehre der Tantras [d.h. der tantrischen Schriften] gegenüber anderen Heilslehren, die derartigen Zeremonien keinen entscheidenden Wert beilegen.

Die in den Tantras empfohlenen Riten beziehen sich zum Teil auf den Tempelkult und die Konsekration und Verehrung von Götterstatuen, doch werden auch viele private Andachtsformen gelehrt. Bei diesen spielt das Rezitieren von Mantras eine große Rolle, d.h. heiligen Silben von mystischer Bedeutung, deren Murmeln transzendente Wirkungen hervorrufen soll, weil der Mantra nicht einfach ein gesprochenes Wort ist, sondern eine Manifestation überirdischer Kräfte darstellt.

Dazu kommen die verschiedenen Meditationen und Yoga-Übungen.«


Tantra ist also eine tiefer in die Seele eindringende Religion als die anderen großen – es ist eine tief mystische Religion wie Taoismus, Zen, Chassidismus, gewisse Hochreligionen bei Naturvölkern und andere. Im Gegensatz zu diesen sind die großen Religionen eher an den Verstand gebunden, die Begegnung mit Gott findet auf der Verstandes- oder Emotionsebene statt, nicht tiefer. Nur so ist es verständlich, daß die großen Religionen sowohl von religiösen wie nicht-religiösen Menschen angenommen und benutzt werden können – immerhin bringen sie allen Teilnehmern die Möglichkeit, sich wissend, denkend, theo-logisch, sowie durch Formeln, Gebete, Riten mit Gott zu beschäftigen und als ein "großer Vertreter des Glaubens" zu gelten. Sie bringen weiter die Möglichkeit von Mission, von politischer Ausdehnung bis hin zu Imperialismus – Dinge, die in mystischen Religionen nicht möglich sind.

Aber gerade diese Punkte sind die oben genannten "Schlacken", von denen die mystischen Religionen einen befreien wollen. Einher mit dem Verlust an "Schlacken" geht der Verlust an gesellschaftlich hohem Ansehen und Macht, aber der Gewinn an Eigentümlichkeit, Individualität, Natürlichkeit, Kreativität, Gelöstheit, Ehrlichkeit, Fröhlichkeit und Liebe.

Die im obigen Text erwähnte "Unterdrückung der irdischen Triebe" ist wohl ein Mißverständnis von GLASENAPP. Der Satz gilt so im heutigen praktischen Buddhismus (wenigstens in Sri Lanka), aber nicht im alten tantra. Dem tantra geht es darum, daß die/der Tantrika über die irdischen Triebe hinauswächst, sie aber nicht unterdrückt. Dazu dienen die tantrischen Rituale, besonders solche wie das chakra puja, durch die die Teilnehmer durch die körperlichen Gefühle des Sex´ hindurchgehen (d.h. sie nicht unterdrücken oder umgehen), mit vollem Einverständnis und mit voller Klarheit.

RAWSON (1973) macht klar. daß Tantra bis 1955 im Westen vollständig unbekannt war – selbst für Leute, die sich berufsmäßig mit Indien beschäftigen (Seite 7):

»Tantra war im Westen seit 70 Jahren nur einer Hand voll interessierter Menschen bekannt, hauptsächlich durch Sanskrit-Texte. ... Die Entdeckung der [Kunst des Tantra] verdanken wir hauptsächlich einem Mann, AJIT MOOKERJEE, durch den das Wissen über diese Kunst seit etwa 1955 entstanden ist. Er kommt aus Bengalen, eines der großen Hochburgen des Tantra seit wenigstens 600 vor Christus, wahrscheinlich früher. Er ist der Autor und Designer der ersten, sehr wichtigen Bücher über tantrische Kunst

Und weiter bei RAWSON (Seite 9):

»Tantra ist eine besondere Manifestation von Gefühl, Kunst und Religion Indiens
RAWSON beschreibt an dieser Stelle, daß es keine kurze allgemeingültige Definition für tantra gibt, »jedoch gibt es einen Faden, der uns durch das Labyrinth leiten kann: alle Manifestationen des Tantra können auf ihm aufgereiht werden. Dieser Faden ist die Idee, daß Tantra ein Kult der Ekstase ist, es konzentriert sich auf die Vision der kosmischen Sexualität.« (eindrucksvoll ist da der Titel von OSHO´s Buch (ca 1991): "From Sex to Super-Consciousness", [Deutsch: "Vom Sex zuzm Kosmischen Bewußtsein", siehe 310a] der einer alten tantrischen Aussage entspricht).

OSHO (unter anderem in seinem Buch von 1984, "The Book, Series I", Seiten 417 ff.) geht allerdings weiter und nimmt das Wort "Ekstase" wörtlich, indem er es dem gegensätzlichen Begriff "Instase" gegenüberstellt (außen stehen beziehungsweise innen stehen) – für ihn sind beide Pole Inhalt von tantra, jedoch in weit größerem, weiteren Spannungsbogen als sonst üblich. Das bedeutet: der Tantriker geht weiter in die Ekstase (äußeres Erleben und Leben) hinein und gleichwohl in die Instase (inneres Erleben, Meditation, Stille), und wie man in tantrischen Begegnungen (zum Beispiel in Begegnungen von OSHO´s sannyasins untereinander) erleben kann, innerhalb weniger Stunden oder kürzeren Zeitabständen: Tanzen, Lachen, sportliche Hochleistung liegen zeitlich sehr nahe bei Meditation, innerster Liebe, sehr sensibler menschlicher Nähe, hellwacher Stille.


RÁMACHANDRA KAULÁCHÁRA

... war um etwa 12oo Architekt in Indien und schrieb eine Anweisung zum Bau von tantrischen Tempeln – wenn auch eine andere Art als die in Khajuraho –, das ”Silpa Prakásha” (Übersetzung ins Englische 1966, UniBibliothek Bremen). In diesem Buch geht es zwar in erster Linie um architektonische Anweisungen, aber der Wille, ein religiöses Bauwerk zu errichten, ist überall spürbar. Um zu erklären, wieso an einem tantrischen Tempel so viele Figuren der Liebe befinden sollten, schreibt er (sehr stark gekürzt):

»Kama [das sind die sexuellen Begierden] ist die Wurzel des Universums. Aus dem Kama sind alle Wesen geboren. Ohne Shiva und Shakti [die beiden göttlichen Polaritäten der Existenz: männlich und weiblich, also die ersten, aus denen kama entstand] wäre die Schöpfung nichts als eine leere Vorstellung. Ohne die Tätigkeit von kama, der Liebeskraft der Vereinigung, gäbe es weder Geburt noch Tod. ... Ein Tempel ohne Liebes-Skulpturen ist bekannt als ein Ort, den man meiden sollte.«






Damit Ihr meine verschiedenen Berichte/Blogs über Khajuraho finden könnt, gebe ich Euch das folgende Inhaltsverzeichnis an, das ist eine Weiser-Liste mit den jeweiligen Blog-Adressen:

(Die Zahlen dienen meiner eigenen Übersicht)





Die Gesamtübersicht über alle meine Blogs findet ihr hier:
002 - neue Gesamtliste:
http://mein-abenteuer-mein-leben75.blogspot.com/

  


    Der Blog, der erste Zugang, das Inhaltsverzeichnis:
301 - Khajuraho-Tempel  -  
Tantra, spirituelle Erotik
http://khajuraho-mein-tantra.blogspot.de/


    Den ersten Blog, die Allgemeine Einführung, findet ihr in  
302 - Khajuraho Tantra - EINS: 
http://tantra-khajuraho-eins.blogspot.com/


    Dieser Blog:
303 - Khajuraho Tantra - ZWEI (im Shiva-Kandariya Tempel) ist hier:
http://tantra-khajuraho-zwei.blogspot.com/


    Dann kommt der Blog 
304 - Khajuraho Tantra - DREI a (im Shakti-Jagadamba Tempel) hier:
http://tantra-khajuraho-drei-aaa.blogspot.com


    Zwischen-Blog 
305 - Khajuraho - Begegnen der Inneren Frau - auch erlebt im Jagadamba:
http://khajuraho-innere-frau.blogspot.com/


    Die letzten Erlebnisse im  Jagadamba-Tempel
306 - Khajuraho - Tantra DREI b (weiter im Shakti-Jagadamba Tempel) hier:
http://tantra-khajuraho-drei-bee.blogspot.com/


    Der Blog 
307 - Khajuraho - Tantra VIER, die Sharduln:
http://khajuraho-shardul.blogspot.com/


    Der Blog  
308 - Khajuraho - Tantra FUENF
 – die mittelalterliche Kleidung, die Wickelstrümpfe,
 die eigenartige Kleidung der Leute auf den Tempelwänden:
http://wickelstruempfe.blogspot.com/


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309 - Khajuraho - Tantra SECHS, Diskussion:
http://tantra-khajuraho-fuenf.blogspot.com/

    Der Blog  
310a  und 310b - Khajuraho - Tantra SIEBEN, Zitate:
http://tantra-khajuraho-sieben-osho.blogspot.com/

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311 - Khajuraho - Tantra ACHT, Literatur-Liste:
http://tantra-khajuraho-acht-literatur.blogspot.com/

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312 - Khajuraho - Tantra NEUN:
"Der Rote Kiesel" - eine Fantasiegeschichte in den Wäldern rund um Khajuraho:
http://der-rote-kiesel.blogspot.com/

 
  Der Blog  über das Land um Khajuraho
313 - Khajuraho - Tantra ZEHN:
Das Land um Khajuraho - wie es heute aussieht:
http://tantra-khajuraho-zehn.blogspot.com

    Der Blog mit Garuda
314 - Khajuraho - Garuda meine mystische Ankunft in Khajuraho ELF:
http://garuda-in-khajuraho.blogspot.com/

(Garuda ist ein mystischer Vogel in Asien)

    Der Blog der Frauenwanderung
315 - Khajuraho - Frauenwanderung von Bremen - um 1300
http://tantrische-frauenwanderung.blogspot.de/ 

(ein Versuch, in Indien die mittelalterlichen Tantra-Tempel zu verstehen)



 Fremde Khajuraho-Blogs:
von ffranz mit meinen Kommentaren:


501 - Meine Wurzeln in Indien:




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